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Winnenden gedenkt der Opfer vom 11. März 2009

Oberbürgermeister Hartmut Holzwarth erinnert vor der Gedenkstätte im Stadtgarten an die Opfer des Amoklaufs von Winnenden. Foto: Stadt Winnenden
Oberbürgermeister Hartmut Holzwarth erinnert vor der Gedenkstätte im Stadtgarten an die Opfer des Amoklaufs von Winnenden. Foto: Stadt Winnenden

Zum zehnten Mal jährte sich der Amoklauf von Winnenden und Wendlingen am vergangenen Montag. Zahlreiche Menschen waren gekommen um am öffentlichen Gedenken im Stadtgarten und an der Lichterkette des Jugendgemeinderats teilzunehmen.

Dass die Betroffenheit über das Geschehen vor zehn Jahren immer noch groß ist, zeigte sich an der ausführlichen medialen Berichterstattung sowie den vielen Menschen, die am vergangenen Montagvormittag den Weg in den Stadtgarten fanden. Ein Gesteck mit 15 weißen Rosen lag auf dem „Gebrochenen Ring“, dem Mahnmal im Stadtgarten. Jede einzelne Rose stand dabei für ein Menschenleben, das vor neun Jahren gewaltsam aus dem Leben gerissen wurde. Schüler der Albertville Realschule nahmen sich an der Hand und bildeten eine Menschenkette von der Schule zum Mahnmal im Stadtgarten.

Um 9.33 Uhr, dem Zeitpunkt, als der erste Notruf bei der Polizei einging, begannen die Kirchenglocken zu läuten. Gleichzeitig reißt die Wolkendecke auf und gab der Gedenkfeier zusätzlich symbolische Kraft. Hunderte Menschen im Stadtgarten verharrten einige Minuten in stillem Gedenken, bevor Oberbürgermeister Hartmut Holzwarth mit seiner Ansprache begann. „An diesem Tag, rücken wir in Winnenden besonders eng zusammen.“ Er erinnert daran, dass auch an anderen Orten der Welt solch schreckliche Vorkommnisse geschehen sind und äußert die Hoffnung, dass sich Menschen in Winnenden und auf der gesamten Welt weiterhin mit der gebotenen Achtsamkeit begegnen, um auch in Zukunft gut miteinander leben zu können“. Im Anschluss verlasen die Jugendgemeinderäte Briska Wahlenmaier, Bianca Leitinger und Jil Weber die Namen der Ermordeten. Pfarrerin Rosemarie Gimbel-Rueß aus Weiler zum Stein sprach ein Gebet und gemeinsam beteten die Anwesenden das „Vater unser“. Die Musiker des Winnender Streichquartetts, besetzt mit Sonoko Imai-Stastny, Julia Richtberg, Dora Scheili und Alexandru Richtberg, musizierten im Foyer der Hermann-Schwab-Halle das bewegende Stück „Crisantemi“ von Giacomo Pucchini. Aufgrund der kalten Witterung wurde ihr Musikbeitrag auf die Lautsprecherboxen im Stadtgarten übertragen. Im Anschluss legten zahlreiche Menschen Blumen und Kerzen an der Gedenkstätte ab.

Buchübergabe an Kultusministerin Dr. Susanne Eisenmann

Direkt im Anschluss übergab die Stiftung gegen Gewalt an Schulen in der Alten Kelter ein Buch an die Kultusministerin Dr. Susanne Eisenmann. „Schülerinnen und Schüler haben darin ihre Erfahrungen mit Gewalt thematisiert“, sagt Andreas Söltzer, der das Projekt für die Stiftung betreut. Die Abkürzung „Save“ steht für „Stories against violence“. Das Projekt wurde zum zehnten Jahrestag mit dem Kultusministerium ins Leben gerufen, Dr. Susanne Eisenmann ist dessen Schirmherrin.

Der frühere Regierungspräsident Johannes Schmalzl überbrachte ein Grußwort des früheren Bundespräsidenten Horst Köhler, der zurzeit im Auftrag der UN in der Sahara unterwegs ist. „Für mich war der Amoklauf der schwärzeste Tag meiner Präsidentschaft“, schreibt Köhler, der „die Hilflosigkeit in dieser Situation“ beschreibt, die ihn angesichts des Leids der Eltern und Angehörigen erfasste. Die Art des Gedenkens, wie man es in Winnenden erlebt, setzt jedoch ein Zeichen. „Der Tod hat nicht das letzte Wort.“

Zusammen mit Kultusministerin Eisenmann, dem ebenfalls anwesenden Innenminister Thomas Strobl sowie den Amtsvorgängern Heribert Rech sowie Helmut Rau besuchte Oberbürgermeister Hartmut Holzwarth noch den ökumenischen Gedenkgottesdienst um 10.15 Uhr in der Schlosskirche, der unter anderem mit Beiträgen von Schülern der Albertville-Realschule gestaltet wurde.

Am Abend zog eine Lichterkette, an der rund 400 Menschen teilnahmen, vom Marktbrunnen zur Albertville-Realschule. Wie in den Vorjahren hatte der Jugendgemeinderat hierzu eingeladen. Am Boden des Pausenhofs der Albertville-Realschule schimmerten aus lauter einzelnen Kerzenlichtern die Worte: „Die Liebe bleibt.“ Dort sang unter anderem Michelle Nalepa, die Schwester der 2009 ermordeten Nicole, mit frischer, starker Stimme „Wish you were here“ („Ich wünsche, du wärst hier“) von Pink Floyd.

An der Lichterkette des Jugendgemeinderats nahmen circa 400 Menschen teil. Foto: Tobias Sellmaier
An der Lichterkette des Jugendgemeinderats nahmen circa 400 Menschen teil. Foto: Tobias Sellmaier